5/12/2016

Rezension zu 'Die Schneekönigin'

Rezension zu 'Die Schneekönigin" von Michael Cunningham

"Wenn die Sonne sank, war sie jedes Mal tieftraurig, aber sie hoffte von neuem auf den nächsten Tag"

3/5 Sternen

Fakten:
Autor: Michael Cunningham
Seiten: 288
Preis: 21,99 €
Verlag: Luchterhand

Inhalt: 
In Hans Christian Andersens Märchen »Die Schneekönigin« zerbricht ein Zauberspiegel in tausend Scherben. Trifft ein Splitter einen Menschen im Auge, so sieht er fortan alles um sich herum nur noch hässlich und böse. Wird ein Mensch dagegen im Herzen getroffen, wird es so kalt wie Eis ... Michael Cunningham spielt auf brillante Weise, voller Poesie und mit einem guten Schuss Ironie versehen, mit Motiven aus Andersens Märchen. Und während er vor dem Hintergrund eines winterlichen New York eine Welt voll Eis, Schnee und Kälte heraufbeschwört, ist sein Roman in Wahrheit eine Hymne auf den Glauben an die Liebe und das Leben.Der New Yorker Stadtteil Bushwick liegt jenseits von Brooklyn. In dieser Gegend sind die Mieten noch einigermaßen bezahlbar, die Häuser alt und die Leute nicht ganz so schick. Hier teilen sich die Brüder Tyler und Barrett eine Wohnung mit Tylers großer Liebe Beth, die unheilbar an Krebs erkrankt ist und um die sie sich beide aufopferungsvoll kümmern. Sie sind in den sogenannten besten Jahren und können es noch nicht ganz glauben, dass sich ihre Träume niemals erfüllen werden: Tyler, ein genialer Musiker, steht immer noch ohne Band und ohne Erfolg da. Aber er wird, das nimmt er sich vor und dafür sucht er sich heimlich Inspiration beim Kokain, das ultimative Liebeslied für Beth komponieren, ja, er wird es ihr bei der geplanten Hochzeit vorsingen ... Barrett, fast Literaturwissenschaftler, fast Startup-Unternehmer, fast Lord Byron, verkauft Secondhand-Designerklamotten in Beths Laden und trauert seinem letzten Lover nach, der ihn gerade schnöde per SMS abserviert hat. Als Beth sich wider alle Erwartungen zu erholen scheint, glaubt Tyler umso mehr an die Kraft der Liebe, während der Exkatholik Barrett sich fragt, ob das merkwürdige Licht, das er eines Nachts im Central Park amwinterlichen Himmel sah, nicht doch irgendwie eine göttliche Vision gewesen sein könnte ...

Meinung:
Das Buch war komplett anders, als ich es erwartet habe. Anfangs mochte ich es tatsächlich überhaupt nicht. Ich habe ständig gesagt, dass mir das Buch nicht gefällt und so weiter. Ich hatte das Gefühl, dass ich bei Seite 50 immer noch dabei war, die Personen kennenzulernen (zu dem Punkt waren es gerade mal zwei). Der Autor hat Anfangs erstaunlich wenig wörtliche Rede verwendet. Dafür beschreibt er aber alles so haargenau wie es nur geht. Später kommt dann viel mehr wörtliche Rede dazu, aber die unglaublich vielen Details bleiben. Gerade da durch gibt es viele wunderschöne Szenen, welche man sich alle gut bildlich vorstellen kann. Das Ganze ist teilweise echt tiefgründig und mit Poesie versetzt. Da ich das Gefühlt hatte, dass der Autor ab und zu mal ziemlich abschweift (gerade am Anfang vermehrt), habe ich den roten Faden des Öfteren verloren. Es geschieht etwas und dann schweift eine Person in den Gedanken ab und nach 3 Seiten ist man wieder beim vorherigen Geschehen… Die Personen sind echt toll ausgearbeitet: Barrett ist einfach zum gern haben. Teilweise hat er mich mit dem, was er sagt verwirrt, aber das kann auch daran liegen, dass das ein bisschen zu “hoch“ für mich war. Tyler war eigentlich ganz okay, aber das mit den Drogen hat irgendwann genervt :) Andrew mochte ich echt gerne. Der Typ ist irgendwie cool drauf gewesen – So verplant und näher an meinem Alter, als der Rest der Personen. Das mit Beth ist meiner Meinung nach alles etwas vorhersehbar, aber dennoch ganz nett zu lesen. Was mir echt gefallen hat ist, dass ein Unterthema, welches immer wieder mal angesprochen wird, die Präsidentenwahl ist. Alle spekulieren darüber, wer der neue Präsident wird, dass Amerika nicht bereit für einen schwarzen Präsidenten (Obama) ist und so weiter. Da wir heute ja wissen, wer Präsident geworden ist, war das ganz amüsant zu lesen. Das mit dem Licht hat mich etwas irritiert. Die Anspielung auf das Märchen von Hans-Christian Andersen ist gelungen, wenn man weiß wie das dort mit dem Spiegel und so abläuft. Aber bis auf den Eiskristall, der ihn im Auge trifft und zum Skeptiker macht, gibt es nur ein paar kleine Anspielungen zu dem Märchen.

Alles in einem würde ich das Buch den Leuten empfehlen, die Drama, Tragik und Poesie mögen. Ich denke nicht, dass ich es in nächster Zukunft noch einmal lesen werde…
 
Hier geht's zum Buch: Hugendubel 
Quelle Inhalt: http://www.hugendubel.de/de/buch/michael_cunningham-die_schneekoenigin-23369353-produkt-details.html   

1 comment:

  1. Hey Sabine :)
    Danke für die Rezension, weil ich ja auch schon lange um das Buch herumschleiche.
    Freut mich, dass es dich doch noch überzeugen konnte. Ich werde noch mal in mich gehen, ob ich mir das Buch jetzt hole oder nicht. :)

    Liebe Grüße
    Anni

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